Ein “Gesundheitsblock” wird diesen Freitag in vielen Städten Deutschlands Teil des globalen Klimastreiktags sein, um auf die Dringlichkeit der Situation und den notwendigen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen aufmerksam zu machen. Dazu erklärt zum Beispiel Prof. Dr. Stefan Reuter, Internist und Infektionsmediziner: „Die Klimakrise gefährdet unsere Gesundheit. Und zwar nicht übermorgen, sondern heute. Wenn das West-Nil-Virus nach Deutschland kommt oder Luftverschmutzung und Hitzewellen Tausende vorzeitige Todesfälle  verursachen, sind wir gefragt. In Praxis oder Klinik, aber auch, indem wir beim Klimastreik deutlich machen: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz!”

Reuter ist bei der Health for Future-Ortsgruppe Düsseldorf aktiv. Health for Future ist ein Aktionsforum für alle, die im Gesundheitsbereich tätig sind: Ärztinnen und Ärzte, Pflegende, Therapeut*innen und andere. In zahlreichen Ortsgruppen werden bundesweit Mahnwachen und Informationsstände sowie andere Aktionen zur konkreten Verringerung des ökologischen Fußabdrucks im Gesundheitswesen organisiert. Die Aktiven sehen es als ihre persönliche wie professionelle Verantwortung an, die Öffentlichkeit auf die Bedrohungen des Klimawandels aufmerksam zu machen und sich für die schnellstmögliche Begrenzung der Erderwärmung einzusetzen.

“Die Klimakrise ist menschengemacht. Wir halten damit die notwendigen Veränderungen in unseren Händen. Wir können an der Ursache ansetzen – kausal therapieren. Deshalb ist Klimaschutz die beste Medizin,” sagt Leah Schirren, Medizinstudentin und aktiv in der Health for Future-Ortsgruppe Hamburg.

Die wichtigsten Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit:

Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen schädigen vor allem ältere Menschen und solche mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Sie führen zu Kreislaufbeschwerden, Muskelkrämpfen in Armen oder Beinen, Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und erhöhtem Puls.

Luftverschmutzung bedingt durch Klimagas-Emissionen aus Verkehr, Heizung, Industrie, Kohleenergie, Waldbränden etc. führt zu einer Zunahme von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs- und Atemwegserkrankungen und Allergien. 9 von 10 Menschen weltweit atmen erheblich mit Schadstoffen belastete Luf. Im Frühjahr 2020 hatte eine neue Studie gezeigt, dass sich bei etwa 120 000 Deutschen durch Luftverschmutzung jährlich die Lebensdauer um 2,4 Jahre verkürzt.

Allergien nehmen durch die Veränderung der Vegetationszonen und Pollenflugdauer zu.

Infektionskrankheiten wie die Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose breiten sich durch steigende Temperaturen aus. Das gilt aber auch für in Deutschland bislang noch nicht endemische Krankheiten wie das  Dengue-Fieber, Zika oder Chikungunya,oder das West-Nil-Virus.